Wir forschen.
Vor 120 Jahren gab es einen ganzen Zoo von fotografischen Verfahren, also chemischen Prozessen, die Lichtbilder haltbar machen konnten. Wir sammeln, kultivieren und optimieren diese Prozesse und geben das Wissen weiter. Zum Beispiel:
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Cyanotypie
Das dritte entdeckte fotografische Verfahren überhaupt und das erste ohne Silbersalze. Es reagieren im Grundsatz ein Eisensalz mit “Rotem Blutlaugensalz” und bildet den Farbstoff Preussisch-Blau. Verschiedenen Ausgangsstoffe und Mischungverhältnisse variieren die Farbe, ausserdem können die Bilder geschönt, getönt und mit Tanninen geschwärzt werden.
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Milchsäure-Mangan-Anilin-Druck
Das Manganat-Ion im Kaliumpermanganat wird mit Milchsäure “scharf” gemacht und in einen instabilen Mangan(+V) Komplex überführt, welcher unter UV-Licht Sauerstoff abspaltet. Dieser lässt auf dem Bild im Anilin-Entwicklungsbad eine grüne Farbe entstehen. Wird das Bild anschliessend in basische Lösung gegeben, bildet sich diese zu einem Blau um. Mit anderen Entwicklersubstanzen sind auch gelbe oder rote Bilder möglich.
Ach ja, so wies scheint sind wir die einzigen weltweit, die diesen Prozess noch durchführen… -
Hämotypie
Gibt es noch etwas Neues bei den analogen fotografischen Verfahren..?
Im Fotolabor Wipkingen wurde von Hannes Hübner der Prozess der Hämotypie erfunden, bei dem tierisches Blut lichtempfindlich gemacht wird und Bilder von rosa Ton und leichtem animalischen Geruch entstehen. -
Chrom-Gelatine-Pigment-Druck
Ist das wohl freieste aller fotografischen Verfahren. Farbpigmente (oder jede beliebige andere, pulverförmige Substanz) wird mit Zuschlagsstoffen und Gelatine versetzt und auf ein Blatt Papier gegossen. Dieses wird in einem Chrombad lichtempfindlich gemacht, getrocknet und unter UV-Licht mit Kontaktnegativ belichtet. Dieses Pigmentpapier wird anschliesend auf ein Umdruckpapier gequetscht und im Wasserbad “entwickelt”. Dort, wo viel Licht das Pigmentpapier erreichte, ist die Gelatine hart und wasserunlösslich, an den anderen Stellen wird sie ausgewaschen. Dort, wo sie bleibt, hält sie die Pigmente fest und erzeugt so die “dunklen” Stellen des Positivs.
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Foto-Emulsion
Nicht wirklich erforscht, aber trotzdem cool! Warum nicht mal klassiche schwarz/weiss Fotoemulsion von ihrem flachen Papierträger befreien und auf alle erdenklichen Oberflächen setzen? Wo ist die Grenze zwischen “Fotografie” und “Skulptur?”